4 Tage für 500 km - komplett durch Bayern von Sonthofen nach Coburg, kein schlechter Schnitt für den Anfang. Allerdings bin ich auch schon 3 Tage wieder am Nichtradeln. Das schlechte Wetter-Wochenende verbringe ich gerade bei meiner Cousine und ihrer Familie in Coburg.

Auf dem Weg bin ich durch viele schöne aber auch wenige schöne deutsche Orte gekommen. Vom Allgäu, also vom ersten Tag,  habe ich keine Bilder, obwohl's da sehr schön ist. Das kenne ich schon alles zur genüge und außerdem hat es geregnet und ich war spät dran (bin ers um 16 Uhr aus Sonthofen weggekommen und war erst im Dunkeln am Lech). Ab da wo es keine Wiesen mehr sondern Korn- und Spargelfelder gibt, gibts auch Fotos.



Die ersten zeigen allerdings keine schönen Landschaften, sondern bekannt unschöne Zustände deutscher Esskultur: Ich bin im Lechtal unterwegs, am Abend des zweiten Tages, hungrig, müde, schon über 100 km gefahren am dem Tag, und dementsprechend auf der Suche nach Nahrung und einem Schlafplatz. Die Läden haben schon geschlossen, und aus den Mülltonnen auf der Rückseite eines Supermarkts hätte man das halbe Dorf versorgen können. Ich begnügte mich mit 5 Nektarinen, einigen Birnen, Erdbeeren und 4 fetten Kartoffeln (von denen ich eine wieder wegwarf, weil ich nicht sah, wann ich die alle essen sollte - und dabei habe ich mich sogar schlecht gefühlt), alles in allerbester Qualität, entsorgt weil im Gebinde jeweils ein fauliger Fruchtgenosse war. Der Chinakohl war mir zu schwer, der musste da bleiben.

(Anmerkung: Wie ich diese Zeilen schrieb, musste ich dochmal überprüfen, ob mir da jetzt irgendwas angekreidet werden könnte, und ich fand heraus, dass in Deutschland das Herausnehmen von Lebensmitteln aus dem Müll zumindest in der Theorie strafbar ist, und zum Teil verfolgt wird, während es kein Verbrechen ist, perfekte Lebensmittel in den Müll hineinzutun - ist klar, ne? hier geht es per Definition niemandem schlecht und wer Lebensmittel aus dem Müll holt, schadet der Wirtschaft und den armen Lebensmitteldiscountern, die sich auf dem Markt eh so schlecht behaupten können. Dafür muss man zurecht bestraft werden. Der rechtliche Hintergrund ist, dass Müll bis zur Abholung durch das Entsorgungsunternehmen Eigentum des Entsorgenden ist. Der Sinn dieser Regelung besteht  allerdings darin, dass die Verantwortung für den Müll zu jedem Zeitpunkt klar ist, dass also der Verursacher die Verantwortung für den Müll hat, wenn dieser nicht abgeholt wird - was ja durchaus sinnvoll ist. Diese Eigentumsverhältnisse zu nutzen, um Menschen die sich aus dem Müll bedienen zu kriminalisieren, ist eine Rechtsmissbrauch).

Für das Abendessen war also gesorgt, einen Schlafpatz habe ich kurze Zeit später an einem Kiesgrubensee bei der Donau gefunden, bei ein paar Dutzend Gänsen zu Gast.

Der dritte Tag ging von der Donau bis nach Fürth, durch das Altmühltal mit seinen mohngesäumten Feldern und Wegen, und dann über Weißenburg, Roth und Schwabach. In Fürth wurde ich von Felix und seiner  WG sehr herzlich aufgenommen, und Dusche und Couch gaben genug Erholung für die nochmal lange Strecke nach Coburg.

Nachdem der Radweg an der Regnitz erst vielversprechend schön ist, geht es ab Erlangen auf der Straße weiter, weswegen ich mich entschließe, den Main-Donaukanal entlang zu fahren. Dort ist es aber auch nicht wirklich schön, zwischen Kanal und Hochhäusern (Foto), deswegen suche ich kurz darauf nochmal den Rednitz-Radweg. Den habe ich auch bald gefunden, nur ging der außer an der Rednitz auch direkt an der A73 entlang. Links sehr idyllisch, rechts nicht auszuhalten. In diesem Moment habe ich kurzzeitig Menschen mit Rechtsneglekt beneidet. Also doch wieder Kanalroute. Ab Forchheim wird die auch immer schöner, und man kann bis Bamberg super Strecke machen. Leider gestaltete sich das Dumpstern hier eher ergebnislos, und so verbrachte ich doch über eine Stunde in einem üppig gefüllten Kirschbaum. Von Bamberg gings dann weiter über die "Straße der Fachwerkromantik", durch den Itzgrund. Diese Strecke kann ich wirklich weiterempfehlen. Der Name ist Programm. Über Sesslach bin ich dann Abends nach Coburg abgebogen, und dann habe ich verstanden, warum die Hassberge so heißen.

Es war sehr spannend und sehr schön, meine Cousine und ihren Mann nach etlichen Jahren wiederzusehen. Die beiden haben sich vor kurzem fortgepflanzt und so ist immer für Programm gesorgt. Wahnsinn, unser Leben ist gerade unterschiedlicher wie es nicht unterschiedlicher fast nicht sein kann, und trotzdem fühle ich mich gerade sehr wohl hier.

Comments   

0 #2 Molle 2014-07-07 15:51
Hey Doktor,
ich lese sau gerne Reiseberichte - schreibe aber nicht so oft Kommentare. Lass dich also nicht davon abhalten zu schreiben. Es lesen meist mehr, als man denkt. Und außerdem:

"Ich reise nie ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zum Lesen dabei haben." (Oscar Wilde)

Du schreibst ja auch für dich...
Also: Fahr', erleb' und schreib'!
Alles Gute weiterhin.
Quote
0 #1 henning 2014-07-07 06:53
alles gute für deine tour. bin gespannt!
für uns daheimgeblieben e mitt-dreissiger doch noch mal die gelegenheit etwas von der welt zu sehen...
Quote

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