Eigentilch hatte wollte ich schon von Stockholm einen neuen Bericht schreiben, und war sogar schon auf der Suche nach einem netten Cafe, allerdings konnte man sich kaum bewegen weil man von Absperrungen für den Halbmarathon eingekesselt war, und alles voller Leute war. Das war dann auch viel zu  interessant, so dass ich lieber Fotos gemacht habe anstatt Kaffee zu trinken bzw. zu bloggen. Und die meiste Zeit nehmen eh die Fotos in Anspruch. Deswegen komme ich kaum noch hinterher, jeden Tag gibt es hier in Schweden soviel neues zu entdecken. Gerade bin ich ohne Internet in der Pampa zwischen dem Vättern und Göteborg unterwegs, und wahrscheinlich wird dann in Göteborg dieser Bericht erscheinen. Aber der Reihe nach:



von Beeren und Bären

Es ist schon September (für den Fall dass das jemand nicht mitbekommen hat), und zwar ein ganz außergewöhnlich schöner. Was ich doch für ein Glückskind bin. Die Blaubeeren werden zwar schon sehr weich und knapp, aber das ist auch ganz gut, langsam habe ich mich überfressen (Dafür gibt es nun an jeder Straßenecke einen Apfelbaum). Allerdings wurde ich neulich gefragt ob ich denn, wenn ich so im Wilden schlafe, keine Angst vor Bären hätte. Eine Gefahr, an die ich bisher zwar nicht gedacht habe, die aber meiner Meinung nach auch überschätzt wird. Bären bin ich keinem einzigen begegnet, noch nicht mal einem Elch. Auf beide wurde vor ein paar Tagen die Jagd eröffnet, und des Nachts hört man manchmal entfernt ein paar Schüsse.
Bekanntschaften mit sonstigen Tieren habe ich allerdings viele gemacht. Kraniche, Bunt- und Schwarzspechte, Prachttaucher, und ich glaube sogar ein Auerhuhn gesehen zu haben. Und dann habe ich auf der Suche nach einem Lagerplatz eine Großfamili#e Wildschweine überrascht. Die meisten haben sich direkt ins Gebüsch verzogen, aber eines blieb stehen und hat mich ganz genau angeschaut. Habe mich daür entschieden, den Klügeren zu spielen und abzuziehen nachdem ich Horrorgeschichten von den Schaufelzähnen gehört habe, die man sich wie eine Kotelettstanze vorstellen kann.
Was man im Wald auch öfters begegnet, sind Pilze und Autowracks. Die laufen immerhin nicht weg und deswegen gibts von denen auch ein paar Fotos.

Auf Linnaeus Spuren

Je weiter man in den Süden kommt, desto zivilisierter wird es. Das merkt man Tag für Tag. Auf Straßen begegnet man durchaus Verkehr, die Landschaft ist weniger wild, aber am meisten ändern sich die Maßstäbe. Während im Norden alles weit und groß ist, wird es hier im Süden viel abwechslungsreicher. die Wälder sind kleiner, die Hügel auch, und man kommt nicht mehr durch eine, sondern durch Dutzende Dörfer und Städte pro Tag. Das Land wird bewirtschaftet, und man sieht viele kulturelle Orte, und auch die Wirtschaft besteht nicht mehr nur aus Holzernte. Besonders schön sind die alten, eleganten Holzbauernhöfe in Hälsingland, von denen einige sogar auf der Unesco-Liste stehen. In Falun habe ich eine alte Kupfermine besichtigt, und zufällig bin ich ein paar Kilometer vorher direkt am Hof Sveden vorbeigefahren, auf dem Carl von Linné seine Frau, die von jenem Hofe stammt, geheiratet hat. Für die Systematiker der Biologen ist das sicher ein Wallfahrtsort, schließlich hat dieser Mann im 18. Jahrhundert das bis heute verwendete Systema naturae erschaffen. Bisher wusste ich nicht (muss ich zu meiner Schande gestehen), dass der Kerl Schwede war. Auf meiner Weiterreise kam ich ich dann nach Uppsala, wo sich das Linnaeum befindet und ein krasser botanischer Garten, in dem sie sogar kleine Flechten und Moose auf Steinen ziehen, wie sie sonst nur im Fjäll zu finden sind. Ich habe mir aber dann doch lieber das Evoutionsmuseum im zoologischen Institut angesehen. Sehr zoologisch geprägt und eigentlich eher eine Austellung von ausgestopften, eingelegten, fossilierten oder sonstwie konservierten Tieren aus aller Welt, aber sehr umfangreich und beeindruckend. Bei Uppsala hat es dann die Sommerresidenz Linnes, in dem er mit hunderten von Pflanzenzeichnungen seine Räume tapezierte, was sehr eindrucksvoll ist. Die Schweden sind sehr stolz auf Linne, sie haben ihn auf ihren 100 Kronen Schein gedruckt, und wo Linne je war hängt ein Schild, damit man weiß wo er überall war. Die Vorlage zu dem 100-Kronen Bild hängt im Original in seinem Zimmer.

Stockholm und der Süden

Seit Stockholm radelt Missanga mit. Sie hat es doch noch geschafft sich von ihrem Schreibtisch loszueisen. Hier ist es schon deutlich zersiedelt und die Wildnis des Nordens ist dem ländlichen und städtlichen Kulturland gewichen. Stockholm mit seinen großen Steinhäusern ist ein krasser Kontrast zu der ländlichen Holzhausidylle in der Umgebung, und auf dem weiteren Weg nach Süden wird es immer ähnlicher zu Kulturlandschaften wie man sie auf Deutschland kennt. Ich kann mich also schon schön langsam aufs Zurückkommen einstellen. Und darauf freue ich mich auch irgendwie schon, denn leider wird das Wetter immer kälter, die Tage ganz schnell kürzer, und das Bier ist hier wirklich schlecht.

Ha, und es war noch nicht mal Göteborg, sondern die Kanelbulla-pausenstadt Kungsbacka.

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