von Österreich nach Ungarn

Die Reise hat begonnen. Teil 1 führt mich über den Balkan nach Istanbul.


In Wien durfte ich Jago, Lena und Ruby Ella May Juliette einen Besuch abstatten, von wo am 20. Mai meine Reise begann. Ziemlich unspektakulär geht es auf dem Eurovelo 6 für zig Kilometer an der Donau entlang bis Bratislava, das Highlight  hier war ein im wind wehendes Kornfeld. Petrus war gnädig und hat mir zwar keine Sonne, dafür Rückenwind geschickt, und den Regen erst runtergelassen als ich gerade in Bratislava war. Für meine erste Nacht habe ich mir dann gleich ein Hostel genommen, man muss sich ja LANGSAM vom Luxus entwöhnen. Regnerisch ging es dann 2 Tage nach Budapest. Weil es nur geschüttet hat, hab ich mir in einem kleinen Kuhdorf für 10 € ein B&B geleistet bei einem alten Ehepaar. Als ich um 8 zum Frühstück kam, saß irgendein Verwandter in der Ecke auf dem Stuhl und hat mir eine dreiviertelstunde beim Frühstück zugesehen. Sehr seltsam. Vielleicht wollte er sichergehen, dass ich keinen Mist mache. Alle versuche, ein bisschen small talk zu starten, wurden gekonnt ignoriert. Nach einem weiteren nassen Tag war ich in Budapest, der Weg ist ziemlich unspektakulär, ich lasse da mal die Bilder sprechen. Im Hostel habe ich direkt zwei junge Österreicher und eine Deutsche kennengelernt, die gerne universoläre Fremdwörter verwendet (ja Mann!). Wir hatten zwei nette Abende, mit interessanten Diskussionen darüber ob der Mensch theoretisch überhaupt dazu in der Lage wäre, sein Gehirn mit seinem Gehirn jemals zu verstehen, also allgemein, ob ein System seine volle Komplexität erfassen kann. Und dann dachte ich mir, darüber muss ich mal mit Georg diskutieren.
Von Budapest ging es einen Tag bei bestem Wetter über schlechtesten Asfalt (wenn überhaupt) nach Süden, Ungarn ist doch recht schön dachte ich dann. Abends kamm ich in ein kleines Nest und habe eine Gruppe Eingeborene gefragt, wo ich denn mein Zelt aufschlagen dürfte. Der große mit dem Flecktarn (ich glaube es war der Häuptling, denn er war der einzige der mit Pfeil und Bogen bewaffnet war), wies mir einen wunderschönen Platz direkt am Wasser zu. Die Donau war schon recht voll und so errichtete ich mein Zelt lieber mal etwas weiter vom Ufer weg. Nachdem auch das Publikum verschwand, gönnte ich mir ein kurzes reinigendes Bad in der Donau. Es ist schon faszinierend. Man badet in der verdünnten Scheiße von geschätzt 40 Millionen Menschen aber wird trotzdem sauber. Ein Hoch auf die Klärwerkstechnologie von heute. Mir geht ja dann so allerlei Blödsinn durch den Kopf, zum Beispiel, wieviel Wassermoleküle sind in einem Schluck Donauwasser, die davor schon in anderen Menschen drinwaren? Und in wievielen verschiedenen Menschen? Und dann geht das so weiter: Der Käse den ich gekauft habe, besteht aus Milch einer Kuh, die sich im Idealfall von Gras ernährt. Dieses besteht aus Wasser, Luft und Erde. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kohlenstoff-Atom in dem Käse irgendwann schonmal von mir ausgeatmet wurde? Oder von Mick Jagger? Oder Helmut Kohl? Seltsame Vorstellung; aber ich glaube die Wahrscheinlichkeit ist gar nicht mal so gering. Wieviele Moleküle Adolf Hitler sind in jedem von uns? Dann dachte ich mir, darüber muss ich mal mit Jago diskutieren.
Es folgten zwei Tage im und am Wasser, der Regen hat die Donau schon ordentlich anschwellen lassen, die Bäume am Ufer stehen alle schon im Wasser. Ich habe Ungarn als heißes, trockenes Land in Erinnerung. Ich muss mich getäuscht haben: Hier regnet es an einer Tour, es ist so grün wie in Irland und die Temperaturen lassen mich das ebenfalls denken. An einem alten Fähranleger wartete ich gestern darauf dass die beiden Fischer nach Hause gehen um mein Zelt in Ruhe aufzubauen zu können, als ich einen Berliner Akzent hörte und kurz darauf Frank kennenlernte, der mit seinem Seekajak die komplette Donau runterfährt. So hatte ich in dieser Nacht nette Gesellschaft, und heute haben wir uns in Mohacs wiedergetroffen, und weil Frank ein netter Kerl ist und mich eingeladen hat, schlafe ich heute nacht in einem Hotelbett. Morgen geht es dann nach Kroatien. Mein nächstes Ziel ist Sarajevo in Bosnien/Herzegovina. Diese Stadt kenne ich nur von den ständigen Meldungen aus dem Bürgerkrieg, weil sie jahrelang belagert wurde. Weder davor noch danach habe ich sonst etwas von dieser Stadt gehört. Der Name Sarajevo ist für mich untrennbar mit dem Krieg verbunden. Ich will diese Bindung versuchen aufzulösen und mir ein eigenes Bild der Stadt im Jetzt machen.

Und sonst so?
Hauptbeschäftigung neben Radfahren: Regenjacke an- und ausziehen.
Aufgefallen: Der Müll der tonnenweise neben der Straße liegt.
Abgefallen: Der Ständer. Ist aber wieder dran.
Gut gefallen: Die Leute sind hier sehr cool was das zelten angeht.

Bilder kommen sobald ich es geschafft habe, sie klein zu kriegen ;)

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