Einkaufen

Der alte Gemüsemann mit der dicken Brille in Shkoder zeigte eine Schnute und wackelte verneinend mit dem Zeigefinger, als ich zwei Paprika in die Hand nahm, die ich kaufen wollte. Dann nahm er das Messer, schnitt die Spitze ab und hielt sie mir unter die Nase. Dann schnitt er die Spitze einer Paprika der anderen Sorte - aber zum gleichen Preis wie er mir zu verstehen gab - hielt sie mir ebenfalls unter die Nase während er mit der anderen Hand unter seiner Nase eine rollende Bewegung machte und tief einatmete: Viel mehr Aroma. Ok gut, dann nehm ich natürlich die! Mein prüfender Blick auf die Gurken bewirkte bei ihm eine schnelle Handbewegung in die Tiefen des Gurkenhaufens, aus der sie mit der grünsten und frischesten Gurke wieder auftauchte. Strauchtomaten? Neinnein - diese Sorte hier schmeckt viel besser! Kostprobe? Und am Ende packte er mir noch eine Zwiebel als Geschenk obendrauf, er kann Gedanken lesen! Gesprochen hat er übrigens kein Wort. Das Gemüse: 50 cent. Der Rest: Unbezahlbar.

Weiter zum Bäcker. Zwei Dicke Frauen hinter dem Ladentisch. Ein Stück Pizza, zwei Burek mit Käse, "das-Ding-da-mit-Schokolade" und ein großes Brot. Wieder 50 Cent. Als ich draußen war, waren die beiden Frauen drinnen im Hinterzimmer verschwunden und in hysterisches Gelächter ausgefallen. Ich rätselte eine Weile was an mir oder meinem Verhalten so lustig war - im Endeffekt war es mir egal und ich war froh dass ich ihnen so mühelos den Tag versüßen konnte.

 

Geschäftsmänner

Mit dem ganzen Proviant sollte ich doch sorglos bis nach Komani kommen, von wo mich am nächsten Morgen ein Boot über den See schippern sollte. Auf dem Weg nach oben rastete ich im Schatten einer Kiefer, als ein Auto herunterkam und neben mir anhielt. Es war der Kapitän der Fähre. "Are you going to Komani? You can sleep on the boat if you want, I will call the guard, we start at 9 am tomorrow!" Am Fährhafen schließlich angekommen saßen vor einem Restaurant der Besitzer und zwei seiner Freunde. "Welcome my Friend! You want a Raki or a Beer?" Aus dem Schnaps wurden 2, aus dem Bier wurden 3, und da so etwas nach 5 Stunden Fahrt ordentlich die Birne verdreht, bestellte ich schnell was zu essen. Am Ende wurde mir nur das Essen in Rechnung gestellt. In Prizren wollte der junge Bäcker meine emailadresse, aber dass ich das Brot bezahle lehnte er vehement ab. Ich weiß nicht wie ich mich in diesen Situationen richtig verhalte - Ich kam schließlich als Kunde, kaufe Sachen und will dafür bezahlen. Die Menschen scheinen aber zuerst gute Gastgeber sein zu wollen  - und erst dann Geschäftsmänner-  und freuen sich so sehr fremde in ihrer Stadt zu sehen so dass ihnen diese Freude mehr wiegt als das entgangene Geschäft -soweit meine Interpretation. Im Kosovo kam es nicht nur einmal vor dass mich Menschen auf der Straße ins nächstgelegene Cafe einluden um ein bisschen mit mir zu plaudern. Bei diesen Begegnungen erfährt man soviel über Land und Leute und auf eine Art und Weise dass man jeden Reiseführer in die Tonne treten kann.

Ansonsten war ich Pässe kurbeln. Ich wusste ja gar nicht dass es auf dem Balkan so hohe Gebirge gibt. Albanien, Kosovo, Macedonien, überall stehen diese über 2500 m hohen Berge rum, zwischen denen man durch muss.

Skopje

Heute Mittag kam ich dann in Skopje an. Das Zentrum zu finden ist mir in keiner Stadt je so schwer gefallen. Folgt man den Schildern, fährt man dran vorbei. Fragt man Menschen, auch. Zwei Stunden bin ich in der Stadt rumgeeiert auf der Suche nach der Altstadt. Zwei Nahtod-Erlebnisse im Stadtverkehr brachten schon mich soweit aufzugeben und grade Richtung Griechenland zu fahren. Leute! Wie funktioniert das mit den Ampeln hier? Man hat rot, aber jeder fährt weiter. Man hat grün, aber wird von einem Auto aus der Seitenstraße mit quietschenden Reifen attackiert!  Erst der Betreiber des Hostels, welches ich zufällig fand, konnte mir den Weg ins Zentrum erklären. Dort gibt es eine neue, gigantische Statue von Alexander dem Großen und viele animierte High-Tech-Springbrunnen drum herum, aus dem Ei gepellte neo-eklektizistische Fassaden, einige kosten- aber nutzlose Museen, frisch gepflasterte und aufwendig beleuchtete Plätze, es werden Zigmillionen in solchen Kitsch investiert, weil man denkt Touristen anlocken zu können, und in den Vororten verfällt alles und die Kinder betteln an den Ampeln. Geht man hundert Meter weiter über die Steinerne Brücke in die Altstadt, bekommt man zum Glück noch ein ganz anderes, authentisches Bild. Moscheen, Cafés, Läden für alles mögliche. Und viele interessante Gesichter.

Von den Menschen von Skopje gibt es hier ein eigenes Album

Und sonst so:
Hauptbeschäftigung neben Radfahren: Trinken
Aufgefallen: morgen beginnt der Ramadan
Abgefallen: mal wieder 3 Schrauben der Ortlieb-Taschen
Gut gefallen: Mein Sattel ist jetzt eingefahren.

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