Die letzten 4 Tage habe ich fast nur damit zugebracht, durch Istanbul zu latschen und es mir gut gehen zu lassen. Viel Kaffee, viel essen, ein Besuch im Hamam. Es gibt so viel zu entdecken, und so viel zu essen, dass ich das noch sehr lange weiter so machen könnte. Aber ich muss auch mal weiter, und Istanbul ist auch leider relativ teuer (für türkische Verhältnisse), so dass das Vergnügen schnell ins Geld geht.

Heute wird wahrscheinlich mein letzter Tag sein, morgen früh soll es weiter gehen, an der Schwarzmeerküste Richtung Osten. Ich glaube ich bleibe noch einen Tag hier. Istanbul ist eine sehr freundliche Stadt, und ich fühle mich sehr wohl, obwohl ich das Gefühl habe, ein alter Sack zu sein. Die Menschen auf den Straßen sind unglaublich jung und hip, vor allem auf er anatolischen Seite, in Kadiköy, wo die Bars und Szenecafes neben alternativen Buch- und Hippieläden zu finden sind, so wie am Prenzlberg.

Untergekommen bin ich hier bei sehr netten Menschen (vielen Dank Selim für den wunderbaren Kontakt), die mich füttern und herumfahren und keine Frage offenlassen. Eine kleine Sequenz daraus:

Wir sitzen in der Konditorei, ich werde mit Erdbeertorte und Cay vollgetankt und bemerke nebenbei dass ich meine nicht mehr benötigten Landkarten und Bücher nach Deutschland schicken will. Fatih verschwindet und kommt mit einem riesigen Kuvert wieder. "Ist das groß genug? Morgen um 9 kommt der Hausmeister und nimmt es mit, einfach die Adresse draufschreiben und alles reintun!".

Die Menschen sind hier generell sehr nett. Steht man rum kommt jemand an und fragt wie er helfen könnte (auch wenn man einfach nur rumstehen möchte). Gestern saß ich auf ner Parkbank und fummelte an meiner Kamera rum, als mir der Objektivdeckel zwischen die Latten der Bank fiel. Blöderweise war direkt unter der Bank ein Gulli, es hat also Plong, und dann Pling gemacht und das Ding war weg. Die Bank war festgeschraubt, und so bin ich mit dem Telefon unter die Bank gekrochen, leuchtete zwischen den Gitterstäben durch und sah das Teil ca. 1 m tief auf dem Grund liegen. Es kam ein junges Paar vorbei, und er fragte direkt, wie er mir helfen könnte. Wir hoben den Gulli zur Seite, und weil ich wegen der Parkbank nicht gut ran kam, zog ich musste ich mein Hemd ausziehen und unter die Bank robben, kopfüber in den Gulli reintauchen, während er mich an den Füßen festhielt und anschließend wieder herauszog. Sicherlich ein Bild für die Götter.

Vom Ramadan merke ich hier nicht so viel. Vielleicht ist es vor Sonnenuntergang etwas weniger voll in den Restaurants und danach um so mehr, aber meine Befürchtung, dass es schwierig werden könnte, tagsüber was zu essen zu bekommen, ist völligst naiv gewesen. Vielleicht ist das in der Osttürkei auch anders. Ich bin gespannt.

Alles Gute vom Sauseonkel

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